Der Gleichklang-Blog

Dezember 17, 2010

Persönlichkeitsfragebogen bei Gleichklang: Woher, was sagt er und welche Rolle spielt er?

Zuschrift einer Interessentin:

“Mit Neugier habe ich Ihren Fragebogen ausgefüllt, gegen Ende war diese Neugier Verständnislosigkeit gewichen. Meinen Sie wirklich, Sie können die Persönlichkeit eines Menschen mit diesen Fragen erfassen? Hiermit ziehe ich mein Interesse an Ihrem Angebot zurück. Bitte löschen Sie umgehend meine Daten.”

Unsere  Antwort:

“Wir verstehen Ihr Unverständnis, aber es beruht darauf, dass Sie wiederum die Logik psychologischer Testverfahren nicht kennen. Auf der Basis von scheinbar oberflächigen Fragen wird mithilfe von statistischen Verfahren zur Identifikation latenter Strukturen auf zugrundeliegende Verhaltenstendenzen geschlossen, die dann individuell messbar gemacht werden. Im Anschluss wird überprüft,ob die Befunde auch mit tatsächlichem Verhalten korrelieren, was bei allen unseren Dimensionen der Fall ist. Es handelt sich um validierte, also gültige Skalen, die nachweisbar etwas darüber aussagen, was Menschen erleben und wie sie sich verhalten. Wenn Sie sich hierüber näher informieren möchten, können Sie dies z.B. auf folgenden Seiten tun, da unser Persönlichkeitsfragebogen von diesem Ansatz aus adaptiert wurde: http://ipip.ori.org/ipip Vielleicht möchten Sie sich Ihre erste negative Reaktion doch noch einmal überlegen?”

Zur Gültigkeit des Fragebogens:

Die obige Korrespondenz macht deutlich, welche kritischen Fragen und Überlegungen der vonuns verwandte Persönlichkeitsfragebogen auslösen kann. Deshalbmöchten wir bei dieser Gelegenheit etwas ausführlicher Stellungnehmen.

Unser Persönlichkeitsfragebogen enspricht einer Übersetzung von durch den “International Personality Item Pool” zur Verfügung gestellte Einzelfragen, von denen bereits zuvor in umfangreichen Analysen und in verschiedenen Sprachen immer wieder gezeigt wurde, dass sie fünf Grunddimensionen der Persönlichkeit erfassen:

Verträglichkeit ist eine Dimension der Prosozialität im Hinblick auf positive Einstellungen, Gefühle und Verhaltensweisen anderen Menschen gegenüber. Erniedrigte Werte müssen nicht dysfunktional sein, können z.B. Wettbewerbsorientierung implizieren, mögen jedoch ebenfalls zu unverträglichen  Haltungen und Handlungen disponieren. Erhöhte Werte können ebenfalls – neben ihren sozial erwünschen Auswirkungen – ggf. auch zu Problemfeldern disponieren, z.B. zu einer verminderten Abgrenzungsfähigkeit.

Extraversion erfasst das Ausmaß an Stimulations-, Aktivitäts- und Geselligkeitsbedürfnissen, geht ebenfalls mit positiver Emotionalität einher. Erhöhte Werte sprechen für eine entsprechend gegebene extravertierte Außenorientierung. Erniedrigte Werte verweisen demgegenüber auf introvertierte Tendenzen mit weniger stark ausgeprägtem Außenbezug.

Gewissenhaftigkeit umfasst ein Bündel an Selbstkontroll-, Arbeitsorientierungs- und Selbstdisziplinfertigkeiten und -bereitschaften. Neben ihren sozial erwünschten Auswirkungen können erhöhte Werte auch zu zwanghaft-perfektionistischen Tendenzen disponieren. Erniedrigte Werte können neben einer gewissen Lockerheit ggf. Selbstkontrolldefizite implizieren.

Offenheit für Erfahrungen bezieht sich auf das Vorhandensein von Bereitschaft, Fähigkeit und Interesse, sich mit Neuem und Veränderungen auseinanderzusetzen. Dies betrifft die Bereiche der Wahrnehmungsvorlieben, des Denkens und des Handelns. Es ist wenig bekannt über möglicherweise problematische Auswirkungen erhöhter Werte. Neben ihren sozial erwünschten Auswirkungen (Veränderungsbereitschaft, Bildungsinteressen etc.) mögen erhöhte Werte jedoch zu einer gewissen Entgrenztheit disponieren können. Erniedrigte Werte gehen mit Tendenzen zum Festhalten an Vertrautem und Bewährtem einher, was keineswegs negativ sein muss.

Emotionalität (Neurotizismus) erfasst eine Tendenz zur emotionaler Labilität im Sinne einer Heraufregulation negativer Emotionalität und affektiv getragener Empfindlichkeit. Erhöhte Werte sprechen für eine überdurchschnittliche Sensitivität gegenüber Stimmungen im negativen Emotionsbereich, wie Traurigkeit oder Angst. Dies muss nicht zu Problemen führen, erhöht aber die Vulnerabilität für Einschränkungen der Belastbarkeit und die Entwicklung psychischer Beeinträchtigungen. Erniedrigte Werte sprechen für emotionale Stabilität und Belastbarkeit. Neben ihren sozial erwünschten Auswirkungen können erniedrigte Werte aber auch zu einer verminderten emotionale. Sensitivität führen.

Nach der Übersetzung haben wir einen Auftrag an drei Psychologen erteilt, die den Bogen noch einmal statistisch auf seine Gültigkeit überprüft haben:

Es konnte die fünf-dimensionale Struktur mithilfe von Komponenten- und Faktorenanalysen erneut identifiziert werden Zudem zeigten sich vielfältige Korrelationen der Merkmalsausprägung in den fünf Dimensionen mit Erlebens- und Verhaltensweisen, die wir über die anderen Fragebögen erfassen.

Die Befunde zeigen, dass die Ergebnisse in dem von uns verwandten Persönlichkeitsfragebogen tatsächlich mit realem Verhalten und Erleben zusammenhängen, so dass die Validität (Gültigkeit) des Fragebogens bestätigt ist.

Zur Frage der Individualität:

Die Individualität ergibt sich aus dem Gesamtprofil. Bereits allein anhand der Auswertung unsere Persönlichkeitsfragebogens können bei 7 Ausstufungen in 5 Grunddimensionen vielfältige individuelle Besonderheiten abgebildet werden.

Niemand sagt aber, dass durch einen Persönlichkeitsfragebogen auf der Basis der Big Five, wie man sie nennt, die Gesamtpersönlichkeit erschöpfend erfasst wird. Zum einen gibt es weitere Persönlichkeitsmerkmale, die nicht erfragt werden – eine Erfragung aller Merkmale wäre zeitökonomisch gar nicht machtbar. Zum anderen gibt es aber antürlich auch Persönlichkeitstendenzen, die nicht durch direkte Befragung erhebbar sind.

Die Tatsache, dass der von uns verwandte Persönlichkeitsfragebogen nicht alle möglichen individuellen Merkmale erhebt bedeutet jedoch nicht, dass er wertlos ist. Im Gegenteil, spielen die von uns erfassten Grunddimensionen eine wesentliche Rolle, sind individuell bedeutsam und erlauben eine Beurteilbarkeit der Gesamtpersönlichkeit. Erhoben werden diejenigen Persönlichkeitsaspekte, die bisher am besten untersucht sind (siehe BIG FIVE). Dabei zeigen Untersuchungen, dass eine Übereinstimmung in Persönlichkeitsmerkmalen gerade für längerfristige Beziehungsqaulität von Bedeutsamkeit ist (siehe Persönlichkeit und Beziehungsqualität). Allerdings werden bei uns auch noch weitaus mehr Informationen als die Ausprägung der Big Five erhoben, weshalb es zusätzliche Fragebögen gibt zu Hobbyy & Interessen, gesellschaftlichen Einstellungen, Partnerschaftsvorstellungen, Freundschaftsvorstellungen und zu besonderen Lebensstilmerkmalen (z.B. Vegetarismus, Alleinerziehende etc.) . Insgesamt erheben wir so die Individualität einer Person schon so gut als mit dem Fragebogenansatz möglich.

Ich finde mich individuell nicht wieder: Was nun?:

Persönlichkeitsmerkmale sind nie absolut, sondern immer ein mehr oder weniger und zwar im Vergleich zu anderen Menschen. Wer beispielsweise besonders offen für Erfahrung ist, hat also eine höhere Offenheit als andere.

Die Ergebnisse in dem Persönlichkeitsfragebogen werden auf der Basis der eigenen Angaben im Vergleich zu den Angaben anderer Personen ermittelt. Manchmal sind wir über unsere eigenen Ergebnisse erstaunt, weil wir andere Personen nicht ganz korrekt einschätzen. Die Ergebnisse in dem Persönlichkeitsfragebogen mögen somit nicht selten deutlich näher bei der Wahrheit liegen als unsere direkte Selbsteinschätzung, die von oftmals fehlerhaften Modellen über andere Menschen ausgehen.

Nahezu immer wenn Interessenten oder Mitglieder sich an uns wandte, weil sie sich durch die Ergebnisse nicht gut beschrieben fühlen, hat sich bei Betrachtung der Ergebnisse und Vergleich mit der geäußerten Kritik gezeigt, dass die Ergebnisse doch eine gute Repräsentation der Persönlichkeitstendenzen der betreffenden Personen beinhalteten. Wenn aber Fragen gänzlich und wiederholt falsch verstanden wurden, oder häufiger aus Versehen die falsche Zahl eingetippt wurde, kann es zu einer Fehleinschätzung kommen, die ein erneutes Ausfüllen sinnvoll macht. In diesem Fall schalten wir den Bogen wieder individuell frei.

Warum kann man den Bogen nicht immer wieder ausfüllen?:

Wenn der nachvollziehbare Eindruck einer Fehleinschätzung entsteht oder wenn ein Mitglieder überzeugt ist, dass es sich in der Zwischenzeit gravierend verändert hat, schalten wir die Bögen individuell zur erneuten Bearbeitung frei.

Dies ist aber nicht als Standardoption vorgesehen mit beliebig häufigem Ausfüllen, weil Menschen dazu neigen können, sich sozial erwünscht darzustellen.

Wenn man oder frau die Bögen aber beliebig häufig ausfüllen und immer wieder ergebnisabhängig korrigieren könnte, dann würde die Wahrscheinlichkeit von fehlerhaften Profilen stark ansteigen, was dem Anliegen einer passenden Vermittlung abträglich wäre.

Wie werden die Persönlichkeitsmerkmale bei der Vermittlung berücksichtigt?:

Im Gegensatz zu nahezu allen Konkurrenten, ziehen wir die Ergebnisse des Persönlichkeitsfragebogens nur sekundär zur Vermittlung heran. Gleichklang arbeitet auf Basis der Theorie, dass (1) die Zentralität von für eine Partnerwschaft bedeutsamen Merkmalspassungen individuell variiert und (2) Mitglieder am besten selber angeben können, welche Merkmale ihnen besonders wichtig sind.

Die Theorie lässt sich am besten anhand von einigen rhetorischen Fragen sofort verdeutlichen:

Was hilft einer alleinerziehenden Mutter eine perfektive Persönlichkeits-Übereinstimung, wenn der vorgeschlagene Partner den Alleinerziehenden-Status nicht akzeptiert? Was hilft einem Veganer eine von der Persönlichkeit passende Partnerin, wenn diese Fleisch isst, er aber gemeinsam den veganen Lebensstil praktizieren möchte? Was hilft einer Frau oder einem Mann im Rollstuhl eine hervorragende Passung der Persönlichkeit, wenn die vorgeschlagene Person zu einer Beziehung mit einem körperbehinderten Menschen nicht bereit ist? Was hilft einem asexuellen Mitglied eine persönlichkeitsstrukturell für ihn oder sie geeignete Person, wenn diese Wert auf ein aktives Sexualleben legt?

Alle diese Fragen sind klar mit “Gar nichts” zu beantworten!

Deshalb setzt Gleichklang als einzige Partneragentur im deutschsprachigen Internet konsequent eine Vermittlung nach Präferenzen um. Wir erheben vielfältige Präferenzen und Lebensstilmerkmale, die wir dann als “harte” Einschluss- und Ausschlusskriterien zugrundelegen. Wie “hart” oder “weich” der Einschluss oder Ausschluss ist, wird wiederum von den Mitgliedern selbst bestimmt (Skala: nein, auf keinen Fall, eher nein, vielleicht, eher ja, ja, auf jeden Fall).

Erst wenn in euinem ersten Schritt alle bedeutsamen Präferenzen und Lebensstilmerkmale passen, wird in einem zweiten Schritt zusätzlich auch die Persönlichkeitsähnlichkeit ermittelt und bei der Auswahl der Vorschläge als Zusatzkriterium herangezogen.

Je nach Zentralität und Seltenheit der Präferenz- und Lebensstilmerkmale variiert dabei das Ausmaß des Persönlichkeitseinflusses bei der Vermittlung und kann bei besonders seltenen Merkmalskombinationen (z.B.  gesucht wird ein veganer Asexueller) Null erreichen.

Die Logik dieses Vorgehens ist, dass bei besonders zentralen und gleichzeitig seltenen Merkmalen deren Gegebensein bereits eine gute Aussicht auf eine glückliche Beziehung beinhaltet, selbst wenn Persönlichkeitsunterschiede bestehen, da diese dann vor dem Hintergrund der zentralen Übereinstimmung besser kompensiert und in Kauf genommen werden können.

Gleichklang Vermittlungs-Algorithmus:

Im Hintergrund der Vermittlungs-Systems steht ein hochgradig komplexer mathematischer Vermittlungsalgorithmus, der so viel Rechenkapazität beansprucht, dass bei Gleichklang Vorschläge nicht sofort abgeleitet, sondern erst über Nacht errechnet werden.

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