In den letzten Monaten hatten wir Kontakt mit mehreren Werbeagenturen, um herauszufinden, ob diese sinnvolle Möglichkeiten unterbreiten können, um die Bekanntheit unserer Gleichklang-Community weiter zu erhöhen.
Warum wir auf die diversen Vorschläge nicht eingehen können, sei im folgenden anhand einer Auswahl der Vorschläge erläutert:
1. Vorschlag: Kostenlose Mitgliedschaften und teure Premium-Angebote einführen
Die Sachlage, dass wir überall auf unseren Seiten immer wieder begünden, warum kostenlose Mitgliedschaften sinnlos sind und nur zu massivem Spam in der Datei führen, änderte nichts daran, dass die Einführung kostenloser Mitgliedschaften uns erneut ans Herz gelegt wurde. Kostenlose Mitgliedschaften sollten durch ein paar Klicks zu schließen sein. Dann sollten Vorschläge unterbreitet werden, wobei Gebühren im Sinne einer Premium-Mitgliedschaft fällig werden würden, wenn jemand den Kontakt aufnehmen wolle. Die Kosten für die Premium-Mitgliedschaft sollten bei weitem über unserer derzeitigen 40 EUR Jahresgebühr für alle liegen.
Darum geht das nicht:
Kurz zusammengefasst, bedeutet der Vorschlag, dass wir einfach die anderen Mainstream-Anbieter kopieren sollen. Dass wir auf der Basis von ein paar Klicks gar keine Vorschläge unterbreiten können und das wir auch eine Überflutung unserer Datei mit unseriösen Einträgen nicht möchten, spielt offenbar aus Sicht der Werbeagenturen keine Rolle. Marketingtechnisch seien kostenlose Mitgliedschaften ein Muss. Wir sehen dies anders und werden weiterhin auf Premium für alle zu geringen Gebühren statt auf kostenlose Lockangebote als Köder für teure Premium-Mitgliedschaften setzen.
2. Vorschlag: Sozialtarif weg
Man könnte ja meinen die vorgeschlagenen kostenlosen Passiv-Mitgliedschaften wären Ausdruck eines besonderen sozialen Bewusstseins der Werbeagenturen. Der zweite Vorschlag zerstört aber alle Illusionen: Wir sollen und zwar sofort den Sozialtarif entfernen, da ansonsten Interessenten denken würden – Gleichklang sei eine Plattform, wo sich (so wörtlich!) „Harz-IV Empfänger und Leute, die nicht arbeiten, tummeln“. Das mache einen schlechten Eindruck und schrecke die „besser situierten Kunden“ ab.
Darum geht das nicht:
Gleichklang vertritt den Grundsatz, dass eine Mitgliedschaft niemals am Geldbeutel scheitern darf. Die meisten können sich die 40 EUR im Jahr sehr wohl leisten, aber es gibt Menschen, die das nicht können. Auf einfache E-Mail-Nachricht stellen wir dann den Sozialtarif ein, der 6 EUR für ein Jahr beträgt. Wenn gar nichts mehr geht, reduzieren wir auf einen symbolischen Euro. Wir werden dies nicht ändern. Sicherlich wollen wir mit unserem Projekt auch Geld verdienen, aber asozial werden, wollen wir nicht. Wer arm ist, hat ebenso ein Bedürfnis nach Partnerschaft und Freundschaft wie jemand, der oder die mehr Geld zur Verfügung hat. Gleichklang will und wird nicht nach Einkommen selektieren. Wen dies abschreckt, der oder die soll zu einer anderen Dating-Plattform gehen. Gleichklang möchte Liebe und Freundschaft zwischen Menschen mit mitmenschlichen und sozialverträglichen Einstellungen stiften, nicht Zweckgemeinschaften von Egoisten.
3. Vorschlag: Bilder von Menschen mit höherem Lebensalter oder Behinderungen entfernen
Die Bilder von älteren Leuten und von Personen in Rollstühlen würden irritieren und von dem Kern-Klientel der 30-50 Jährigen ablenken. Überdies identifizierten sich sowieso auch Ältere und Personen mit Behinderungen mit jungen, attraktiven und gesunden Menschen, so dass diese uns selbst dann nicht verloren gingen, wenn wir ihre Bilder nicht zeigen. Demgegenüber würden durch Bilder von alten oder behinderten Menschen andere Interessenten abgeschreckt.
Darum geht das nicht:
Wir finden den Vorschlag anstößig. Gleichklang ist eine Begegungs-Plattform für alle Menschen, die auf Mitmenschlichkeit, Ökologie und Sozialverträglichkeit Wert legen. Dies schließt erwachsene Menschen aller Altersstufen und genauso Menschen mit oder ohne Behinderungen oder Erkrankungen ein. Dies brauchen wir nicht zu verstecken, sondern sind stolz darauf. Wer sich hierdurch abgeschreckt fühlt, ist bei Gleichklang am falschen Platz.
4. Vorschlag: Spezielle Angebote, z.B. für Vegetarier oder für Asexuelle, Bisexuelle, Transsexuelle oder Intersexuelle in den Hintergrund stellen
Die große Mehrheit der Menschen wolle „einfach nur“ einen Partner oder eine Partnerin kennen lernen und nicht mit Informationen zu Vegetarismus, Asexualität, Bisexualität., Transsexualität oder Intersexualität konfrontiert werden. Wir sollten dies lieber diskret in den Hintergrund stellen, anstatt es gleich auf der Startseite offensiv zu betonen. Sonst würden uns zu viele andere Mitglieder verloren gehen.
Darum geht das nicht:
Niemand muss lesen, was auf unserer Seite geschrieben wird. Aber wir legen Wert darauf, dass Gleichklang auch Menschen mit ganz bestimmten Lebensstilmerkmalen, Grundüberzeugungen, sexuellen Orientierungen oder äußeren Merkmalen unterstützt, auch wenn diese Merkmale mehr oder weniger selten sind. Dies ist ein wesentliches Kennzeichnen unserer Plattform und soll daher auch gut sichtbar deutlich gemacht werden. Wir werden dies nicht ändern – weder für die Vegetarier und Veganer, die immerhin ca. 25% unserer Mitglieder ausmachen, noch für die wesentlich geringere Anzahl z.B. asexueller, transsexueller oder intersexueller Mitglieder. Wer sich hieran stört, dem oder der fehlt der Geist der Toleranz und Akzeptanz, auf den wir unsere Gleichklang-Community aufgebaut haben, so dass er oder sie ohne einen Einstellungswandel besser kein Teil von ihr werden sollte.
5. Vorschlag: Anmeldung und Fragebögen radikal kürzen
Fast niemand wolle im Internet viel lesen oder viele Angaben tätigen. Wir sollten daher die Anmeldung auf ein bis zwei Felder verkürzen und auch die im Anschluss erhobenen Informationen radikal zusammenstreichen. Niemals solle jemand auf einer Seite scrollen müssen und ein Abschluss der Anmeldung müsse in besser 5 als maximal 10 Minuten möglich sein. Unsere ausführlichen Fragebögen mögen ehrenwert sein, aber marketingtechnisch seien sie untragbar.
Darum geht das nicht:
Die Vermittlung bei Gleichklang stützt sich auf einen elaborierten mathematisch-psychologisch fundierten Vermittlungsalgorithmus, der diejenigen Personen identifiziert, die aufgrund ihrer individuellen Wünsche, Bedürfnisse, Lebensstilmerkmale und Persönlichkeiten wirklich zueinander passen. Möglich ist eine solche Vermittlung aber nur, wenn wir auch die erforderlichen Informationen erheben. Das geht jedoch nicht in 5 oder 10 Minuten. Vielleicht ist es wahr, dass viele Menschen im Internet nicht lesen, sondern sich in aller Geschwindigkeit auf der Basis gut sichtbarer Signale durchklicken wollen. Ebenso ist es aber wahr, dass es auch andere Menschen gibt. Genau auf diese anderen Menschen möchten wir uns weiterhin konzentrieren.
6. Keine Links zu politischen Aktionen, wie aktuell Wikileaks
Politik habe bei einer Partnervermittlung nichts zu suchen. Das wirke befremdlich und halte sicher viele Menschen von einer Mitgliedschaft ab.
Darum geht das nicht:
Gleichklang ist eine Kennenlern-Community für alternativ und sozial denkende Menschen. Wie und warum sollten wir bei alternativ und sozial denkenden Menschen die Politik heraushalten? Oder darf es keine alternative Kennenlern-Plattform für Menschen geben, die sich der Kaltherzigkeit des neoliberalen Mainstream nicht unterordnen wollen? Wir möchten weiterhin zeigen, dass dem nicht so ist.
Resümee
Die von uns zur Hilfe gebetenen Werbeagenturen haben ausnahmslos für einen Abschied von der Grundkonzeption unseres Projektes plädiert. Ihre Empfehlungen würden auf eine indifferente Seifenblasen-Community hinauslaufen, von denen es bereits Unzählige gibt. Dies schienen die Agenturen nicht einmal zu bemerken. Interessanterweise hat niemand auch nur annähernd einen Vorschlag zu einer tatsächlich inhaltlichen Verbesserung gemacht. Alles wurde den Formalien „hohe Geschwindigkeit“ und „bloß niemand auf die Füße treten“ untergeordnet. Erstaunt sind wir über das Ausmaß plakativer Pauschalsätze, die alles für wirtschaftlich unvernünftig erklären, was von oberflächigen Standards einer rein kurzsichtig auf Geldverdienen ausgerichteten neoliberalen Grundhaltung abweicht. In ihrer beschränkten Perspektive und geringen Reflektionsbereitschaft unterschieden sich dabei eher konservativ wirkende Agenturen nicht von Anbietern provokanter Werbeaktionen, die in Wirklichkeit genauso kleinkariert zu sein scheinen wie die ersteren. Wen wundert nun noch der Einheitsbrei unserer neuen Bahnhöfe?
Der (halb)traurige Schluss:
Eine Werbeagentur, die unsere Community engagiert bei ihrer Weiterentwicklung und Bekanntmachung unterstützen könnte, haben wir leider immer noch nicht gefunden. Aber vielleicht ändert sich dies ja doch noch, wir würden uns freuen und geben auch diesbezüglich nicht auf!
Zunächst aber verlassen wir uns beim Marketing weiterhin auf unsere Mitglieder, die Gleichklang täglich weiterempfehlen und dadurch entscheidend zu unserem Wachstum und gleichzeitig zum persönlichen Erfolg aller Mitglieder beitragen.
[...] This post was mentioned on Twitter by Gleichklang.de, Gleichklang.de. Gleichklang.de said: Was Werbeagenturen empfehlen und warum wir nicht folgen: http://wp.me/pWdnm-by [...]
Pingback von Tweets that mention Was Werbeagenturen empfehlen und warum wir nicht folgen « Der Gleichklang-Blog -- Topsy.com — Dezember 24, 2010 @ 12:44 nachmittags
Hm. Ich kenne solche Seifenblasenagenturen. Aber mit Sicherheit gibt es auch bessere, die sich auf KundInnen einlassen.
Was mir auf der gleichklang.de-Seite auffällt (Hinweis zu mir: ich setze Websites um, bin keine Designerin, sondern mache den technischen Part):
Die Aufmachung ist wild und durcheinander, bunt und sehr unkoordiniert. Etwas mehr Ruhe, Weißraum, Konzentration auf weniger Farbe und einheitlichere Schriftgrößen könnte gefälliger wirken.
Die Fotos sind vom Stil her sehr unterschiedlich. Damit meine ich nicht den Inhalt der Abbildung (ich hasse diese typischen künstlichen Menschen, die die Agenturen so lieben), sondern die Art: typische unwirkliche 08/15-Stockfotos von Fotosammlungen neben welchen, die tatsächlich “echt” erscheinen. Entweder fotografieren lassen oder sich die Zeit und das Geld nehmen, Fotos zu suchen, die zueinander passen und “normale” Menschen zeigen – wer von uns hat schon so ein Zahnpastalachen im Alltag?
Um den Eindruck von Textwüsten zu verhindern (Startseite, grün hinterlegter Bereich unten), würde ich nicht den Text kürzen, wie die Agenturen vorgeschlagen haben, sondern ihn leserlicher aufteilen. Die Zeilen sind zu lang, weniger Worte nebeneinander machen lesbarer.
Das könnte bedeuten, sich noch einmal um das Layout Gedanken zu machen oder den Inhalt auf einzelne Seiten zu verteilen, allerdings die Überschriften als Navigation aufzeigen, damit man weiß, was es alles gibt.
Technisch, mit Verlaub, ist die Seite eine Katastrophe. Ein wilder Mix veraltetes HTML. Wenn es mit den Werbeagenturen nicht klappt, setzt vielleicht noch mal ein/e DesignerIn und eine/n WebentwicklerIn dran. Ich denke, mit ansprechenderem Layout und aktueller Technik habt Ihr schon viel gewonnen – u.a. auch Menschen, die wegen ihres Handicaps nicht mit den Browsern Eure Seiten anschauen, wie ihr es könnt.
Viele Grüße
Susanne
Kommentar von Susanne Butz — Dezember 30, 2010 @ 7:38 vormittags
Wir stimmen nicht zu:
1. Wir hatten als allererstes eine durch eine Agentur vollständig aufgesetzte Seite, die genau auf die genannten Sachen (Ruhe, Einheitlichkeit, weniger Farbe) achtete. Ob schön oder nicht, die Seite vermittelte offenbar keine Einschätzung, dass Gleichklang etwas ganz anderes ist als die anderen Agenturen, die längst etabliert sind. Jedenfalls waren die Anmelderaten gering. Was der eine Unruhe nennt, nennt der andere Lebendigkeit. Warum sollte es normative Vorgaben gelten, die unabhängig vom Inhalt für alle gelten?
2. Ab dem Tag der Einstellung des jetzigen Designs hatten wir eine sehr starke Steigerung der Abschlussraten. Offenbar vermittelt die Seite jetzt genau das, was sie vermitteln soll, nämlich das hier eine andere und in der Tat bunte, nicht einheitliche, nicht rein harmonische etc. Agentur tätig ist. Bei uns sind nun einmal neben der allgemein alternativ ausgerichteten Grundorientierung diverse Zielgruppen und jede stärkere Einheitlichkeit würde nur einen falschen Eindruck erzeugen. Die Fotos sollen unterschiedlich sein. Was typische 08/15 Stockfotos sind, wissen wir nicht. Die Fotos wurden nach inhaltlichen Kriterien ausgewählt. Jedes Foto vermittelt etwas Bestimmtes, ob die Repräsenbtation aller sexueller Orientierungen, Altersstufen, Vegetarier etc. Die wenigsten haben ein Zahnpastalachen. Ein Austausch der Fotos erscheint uns nicht sinnvoll.
3. Textwüste ist ein Begriff, der uns nicht gefällt. Texte sind keine Wüsten. Der Begriff Textwüste entspricht einer Logik, gemäß der alles, was umfangreich dargestellt ist, gleich eine Wüste ist. Wie nennen wir denn dann Bücher? Dort ist die Schrift kleiner und enger. Unzählige Seiten nur mit Text! Bücher sind also die Ausgeburten von Wüsten. Aber die Zeile kürzen, also die Lesbarkeit erhöhen, ist vielleicht möglich.
4. Es gibt keine wesentlichen HTMl Fehler auf unseren Seiten. Sie laufen jedenfalls auf allen Browsern, die von mehr als 99% unserer Besucher genutzt werden. Insofern finden wir “veraltetes HTML” nicht so dramatisch. Allerdings die Seiten barrierefreier zu gestalten, sind wir sowieso dran. Das ist richtig.
Kommentar von Gleichklang.de — Dezember 30, 2010 @ 12:14 nachmittags
Vielen Dank für diesen Beitrag! Das Konzept, sich “abseits des Mainstream” in den bunten, naturbelassenen Seitenarmen und Auen zu tummeln, wo die Vielfalt des menschlichen Lebens sich entfalten darf, spricht mich sehr an und erklärt gut, warum ich bei 99% der Profile auf anderen Dating-Seiten schreiend weglaufen will und hier meine Reaktionen zwischen “hm, ganz nett, aber irgendwie nicht” und “wow, die könnte es sein” liegen.
Kommentar von Gabriel — Dezember 31, 2010 @ 9:51 vormittags
[...] auf der Seite repräsentiert werden, was uns gut gelungen ist. Wir haben dies Weg entgegen der Empfehlungen von Werbeagenturen umgesetzt und er hat sich [...]
Pingback von Bilanz und Zukunft: Gleichklang 2010 & Gleichklang 2011 « Der Gleichklang-Blog — Januar 2, 2011 @ 12:44 nachmittags
Die “Textwűste” auf der Startseite hat doch den großen Vorteil, das man damit auf einen Blick eine Menge Informationen bekommt, ohne zwischen zahlreichen Seiten hin- und her zu klicken – was dann besonders auf dem Smartphone warten, warten, warten (www) bedeutet.
Viele Webseiten werden leider mit schnellen Datenverbindungen zum Server und natürlich auch schnellen Rechnern ohne weiteren Tempo-Fressern entwickelt bzw. dem Kunden präsentiert, wo sich die Seiten natürlich schneller aufbauen als in der Realität.
Außerdem werden Websites teilweise nach der Zahl der seitenaufrufe bezahlt, womit sich natürlich die Verteilung der Infos auf viele Seiten und ein vor- und zurück bezahlt machen.
Aber ein wenig Beratungsresistenz liegt vielleicht doch vor?
Kommentar von Joachim — Mai 27, 2012 @ 5:39 nachmittags
Wir finden es grundsätzlich schon wichtig, dass gleich auf der Startseite alle relevanten Informationen zu finden sind. Das heißt bei Gleichklang aber eben auch alle relevanten Gruppierungen/Grundauffassungen/Lebensstile, die von uns besonders gut repräsentiert werden, sowie die Erläuterung des Grundprozederes. Objektiv geht das nicht in wenigen Worten, finden wir. Also echte Beratungsresistenz haben wir nicht, nur war unsere Erfahrung, dass wenn wir versuchen, Rat zu erhalten, diese sich vor allem an den Grundprinzipien von uns störten, wor wir dann wirklich beratungsresistent sind.
Kommentar von Gleichklang.de — Mai 27, 2012 @ 7:00 nachmittags