Bei Gleichklang suchen auch viele Menschen mit Behinderungen nach Partnerschaft und Freundschaft. Ebenso gibt es bei uns sehr viele Veganer und Vegetarier, von denen sich mancher vielleicht zunächst durch die Thesen Peter Singers angesprochen fühlen mag. Deshalb setzen wir diesen Beitrag, der sich darasu motiviert, dass die Giordano Bruno Stifung soeben Singer den Ethik Preis verliehen hat, in unseren mehr gelesenen Dating-Blog und nicht nur in den Politik-Blog.
Wir halten die oftmals vertretene Ansicht für falsch, dass die Relativierung des Lebensrechtes behinderter Menschen durch Singer auf Tabus hinweise, die wir nunmehr gesellschaftlich hinterfragen müssten. Auch die logische Ableitung dieser Forderung aus Prämissen, macht sie nicht überzeugender. Denn mit logischen Ableitungen aus selbst gesetzten Prämissen lässt sich alles ebenso beweisen wie widerlegen.
Wie argumentiert Singer eigentlich?
Singer behauptet NICHT, die Relativierung des Lebensrechtes von behinderten Menschen ergebe sich aus einem Wunsch, deren Leidzu mindern. So sehr seine Anhänger dieses Argument auch immer wieder ins Feld führen, für Singer gilt ein ganz anderes Argument, wonach eben nicht das Leid, sondern die mit Gesunden nicht vergleichbare Zukunfts-Perspektive die vorgeschlagenen Tötungshandlungen legitimiere.
Obwohl wir seine Argumentation für gänzlich indiskutabel halten, möchten wir doch für diejenigen, die irritiert sind oder gar glauben, es gehe um Sterbehilfe, den Begriff der nicht gegebenen Zukunftsperspektive bzw. des (vorgeblichen) Fehlens der auf die Zukunft gerichteten Interessen näher betrachten:
Die Idee ist, dass der Lebenswert eines Individuum sich nicht aus seinem unmittelbarem Empfinden und seiner Gegenwart ableitet, sondern aus seinem Entwicklungspotential. Singer legt dabei normativ fest, was das Entwicklungspotential sein soll, welches nach ihm zu Lebensschutz oder zur Tötungserlaubnis führen kann. Dabei betrachtet er dies Entwicklungspotential nicht nur als absolute Größe, sondern relativ im Vergleich zum Entwicklungspotential der anderen. Spezifisch sagt er, dass behinderte Kinder eine verminderte Chance haben, eine hinreichende Lebensqualität zu erreichen, wenn sie mit gesunden Kindern verglichen werden. Aus diesem Vergleich leitet Singer das Tötungsrecht ab, da es besser sei, ein behindertes Kind durch ein gesundes Kind zu ersetzen, weil dann behinderte Kinder nicht die Ressourcen gesunder Kinder konsumierten.
Was tut Singer hier ganz genau?
Singer setzt die von ihm normativ gegebene Art des Lebens nicht-behinderter Menschen als Maß für das Entwicklungspotential und das daraus abgeleitete Lebensrecht. Er erklärt, dass diejenigen, die nicht (oder vorgeblich nicht) diese Entwicklungs-Aussichten teilen kein Recht auf Leben haben, außer es erbarmt sich einer ihrer (dann dürften sie sehr wohl am Leben gehalten werden).
Übrigens hat sich Singer nicht die Mühe gemacht, die umfangreiche Forschungsliteratur zur Lebensqualität und zur Entwicklung behinderter Menschen zu konsultieren. Wie kann das sein? Offensichtlich, weil er die von ihm zur Tötung freigegebenen Behinderten bereits a priori aus dem vollen Lebensrecht herausdefiniert hat. Er erachtet es nicht mehr für relevant, etwas über die tatsächliche (und nicht nur die durch ihn normativ gesetzte) Lebensqualität derjenigen Menschen und ihres Entwicklungspotentials zu erfahren, die er zur Tötung freigeben möchte. Deutlich wird dabei aus den Schriften von Singer eben auch, dass er über kein Sachwissen über das Leben behinderter Menschen verfügt, sondern sich hier allzu oft in oberflächliche Floskeln oder rein fiktionale Prämissen flüchtet.
Singer bleibt aber nicht immer abstrakt, sondern wird gelegentlich auch ganz konkret, indem er Menschen mit bestimmten Diagnosen benennt, die nach seinem Dafürhalten aus dem Lebensrecht ausgegliedert werden sollten. So benennt er u.a. Menschen mit Down-Syndrom. Er bestreitet nicht, dass Menschen mit Down-Syndrom ein sie befriedigendes Leben führen können, sondern es genügt ihm für die Freigabe zur Tötung festzuhalten, dass ihre (derzeitige) Entwicklungsperspektive im Vergleich zu der Perspektive gesunder Kinder geringer sei. Deshalb aber sei es besser Menschen mit Down Syndrom zu töten und durch gesunde Kinder zu ersetzen, deren Ressourcen sie ansonsten konsumieren würden.
In dieser Logik – auch wenn er gesunden Menschen, wie Eltern, das Recht zugestehen will, die Kinder zu retten – deckt sich die Argumentation von Singer mit der Argumentation der Nationalsozialisten, die ebenfalls sagten, dass die getöteten Behinderten der Gesellschaft zur Last fielen, also nach Singer die Ressourcen der Gesunden aufbrauchten.
Psychologisch gesprochen kann man sagen, dass es der Lehre Singer tiefgreifend an der Fähigkeit zur Empathie mangelt. Die Lehre des Peter Singers läuft in dieser durch ihn selbst zugespitzten Form auf die Institutionalisierung eines Unfähigkeit oder eines Unwillens zur Perspektivenübernahme hinaus, die die prosozialem Handeln zugrunde liegt. Dieser Empathiemangel ist es aber u.a., der zu den großen Menschheitsverbrechen führte, ob Sklaverei, Faschismus oder auch zu den barbarischen Massentötungen von Tieren.
Folgen wir jetzt einmal (obwohl wir sie nicht für statthaft halten) der Argumentation von Singer und fragen uns, was bedeutet das alles ganz praktisch – Singer erhebt ausdrücklich den Anspruch, eine in der Praxis anzuwendende Moralphilosophie zu vertreten:
Es müssten also Kriterien aufgestellt werden, nach denen wir Menschen töten dürfen. Das würden wir ganz bürokratisch organisieren müssen, einschließlich Formulare für die Eltern zur Zustimmung für die Tötungshandlungen. Es würde eine Profession herangezogen werden müssen, die die Tötungen übernimmt. Es würden Forschungen durchgeführt werden und es würden Fortbildungen stattfinden müssen, wie wir behinderte Menschen am effektivsten töten können. Gegebenenfalls – Singer argumentiert auch mit Kosten – würden wir Kosten-Nutzen-Analysen der verschiedenen Tötungsmethoden vornehmen müssen.
Selbst wenn sich Singer durchsetzen würde, wird es Menschen geben, die sich der Todesmaschinerie in den Weg stellen, die blockieren, gegebenenfalls aber auch von ihrem in der Verfassung verbrieften Widerstandsrecht Gebrauch machen werden. Es würde also eine effektive Strafverfolgung sicher gestellt werden müssen, Rückfalltäter würden erkannt und langjährig inhaftiert werden müssen.
Nehmen wir an, dass wäre alles möglich und wünschenswert, so wenden wir uns nun den Kriterien zu, die herangezogen werden sollen, um zwischen zu erhaltenem und zu tötendem Leben zu unterscheiden:
Eine Möglichkeit wäre, einfach nach Krankheitskategorie zu verfahren, wie es von Singer teilweise auch vorgeschlagen wird. Das hieße, alle die Menschen mit zu töten, die, wie uns jahrzehntelange psychologische Forschung zeigt, individuell eine hohe Lebenszufriedenheit erreichen werden. Denn die Krankheitskategorie allein sagt nur wenig über die Lebensqualität aus, so sehr Singer diesen Aspekt auch zu ignorieren trachtet. Mit der gleichen Diagnose können doch ganz verschiedene Entwicklungswege resultieren.
Vermutlich würde man sich für eine differenzierte Lösung entscheiden, wo individuell entschieden werden wiürde, ob ein Mensch der Tötungsmaschinerie zu übergeben wäre oder ob er gerettet werden sollte. Kein Weg führt daran vorbei: Es würde eine Selektion stattfinden müssen, anders sind Singers Ideen nicht umsetzbar.
Es müssten also Forschungen betrieben werden, Testverfahren entwickelt, Gutachter ausgebildet werden, die dann nach ihrem klinischen Eindruck plus irgendwelcher Testwerte über Leben und Tod der durch sie Begutachteten entscheiden würden. Sicher, es würden Gutachter gefunden werden. Man fand sie bei den Nationalsozialisten, man fand sie später zur Beurteilung der Rückfallgefahr von Homosexuellen. Es werden aber spezielle Menschen sein, die diese Aufgabe bereit sind, zu übernehmen.
Es reichen aber Gutachten nicht, am Ende müsste sicherlich eine Prüfung der Gutachten durch eine juristische Instanz erfolgen, durch Richter. Manche würden zurücktreten, aber auch bereite Richter würde man finden, wie sie jedes andere Regime auch gefunden hat, dessen Plan gezielte Massentötungen waren.
Die Gesellschaft eines Singers würde eine andere sein als die heutige. Am Ende würde unser aller Lebensrecht in Gefahr sein. Denn was derzeit möglicherweise nicht ist (Zukunftsperspektive nach Singer für uns nicht abwesend oder minderwertig), kann morgen schon anders sein. Weil alles sowieso relativ ist, sind wir vielleicht schneller die nächsten als wir zu denken wagen. Erst wären es die Behinderten (und um das klarzustellen, keinen von ihnen wollen wir einer Tötungsmachinerie übergeben wissen), morgen könnten es alle sein, die nicht zustimmen.
Die Philosophie des Peter Singer ist nicht rational, sondern pseudorational. Er orientiert sich an nicht mehr hinterfragten Prämissen als Voraussetzungen, die jedes Mitgefühl und jede Fähigkeit zur Empathie ersetzen sollen. Der Weg nach Peter Singer führt nicht in eine bessere Welt, er führt ins Verderben.

[...] Ebenfalls zeigen uns die Suchworte als eine Dating-Plattform für die verschiedensten sexuellen Orientierungen (heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell, pansexuell, asexuell, transsexuell, bdsm, siehe auch hier), für Menschen aller Altersgruppen, für gesunde Menschen ebenso wie für Menschen, die an körperlichen oder psychischen Erkrankungen oder Behinderungen leiden, oder gar nicht so selten: eben nicht daran leiden, sondern damit leben (siehe hier, hier und hier)! [...]
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